Episode 17 – Kerstin Brätsch
Show notes
Der Pinselstrich gilt als Signatur des Malers, als dessen Handschrift. Doch was passiert, wenn sich genau diese Vorstellung immer wieder infrage stellen lässt? In Episode 17 des Gallery Weekend The Art Podcast geht die Künstlerin Kerstin Brätsch (*1979 in Hamburg, Deutschland) gemeinsam mit Silke Hohmann dieser faszinierenden Frage nach. Brätsch hat den Begriff der Malerei grundlegend erweitert und fragt, was Malerei jenseits des Bildträgers leisten kann. Unterschiedlichste Materialien, Techniken und handwerkliche Verfahren treten miteinander in Beziehung, während die Arbeiten in ständiger Bewegung bleiben. Brätsch versteht Malerei als eine Art Metabolismus, der sich im Gegenüber mit den Betrachtenden entfaltet und sich permanent verändert. Dabei kann sich eine malerische Geste aus dem Bild lösen, in einen anderen Zustand übergehen und neue Räume und Zusammenhänge eröffnen.
Wie sich eine solche Praxis in einen ganzen Raum ausbreiten kann, zeigt ihr Projekt BAUBAU im Gropius Bau, eine eigens für Kinder geschaffene Spielwelt. Hier geht Kunst in den Alltag über und wird benutzbar, denn die Kinder können im freien Spiel die Räume und Dinge selbst nutzen, verändern und immer wieder neu zusammensetzen.
Und was haben Wahrsagerinnen und Touristenmaler in New York oder die „fossilisierten" Reststücke einer Arbeit von Sigmar Polke damit zu tun? Die Episode folgt diesen unerwarteten Verbindungen und gibt auch einen ersten Einblick in Brätschs kommende Ausstellung in der Galerie Thomas Schulte in der Charlottenstraße
Show transcript
00:00:00: Naja, der Pinselstrich ist ja eigentlich so die Signatur des Malers.
00:00:03: Also die Handschrift und ich glaube meine Faszination oder meine Infragestellung dessen kam daher dass sich mich gefragt habe was wäre denn wenn ich quasi kann ich meine eigene Handschrifft auslöschen?
00:00:16: geht das überhaupt?
00:00:17: Sagt Kerstin Bretsch mit der Ich für eine neue Folge von Gallery Weekend Berlin Die Art Podcast Spreche.
00:00:25: Mein Name ist Silke Hohmann und ich treffe Künstlerinnen und Künstlern, um mit ihnen über ihre Werke, ihre Ideen, ihre Ausstellungen in Berlin.
00:00:34: Und über das was sie gerade beschäftigt zu sprechen.
00:00:41: Kerstin Bretsch, die neunzehntonundertneunundsebzig in Hamburg geboren wurde gehört zu einer Generation, die den Begriff der Malerei grundlegend untersucht und erweitert.
00:00:51: nach dem Studium an der Universität der Künste In Berlin, als Meisterschülerin von Lothar Baumgarten und einem MFA-Studium an der Columbia University in New York entwickelte sie eine künstlerische Praxis.
00:01:02: Die Malerei verbindet mit Skulptur-, Performance-, Architektur-, Handwerk und die auch viel Energie gerade aus kollaborativen Arbeitsformen zieht – aus der Zusammenarbeit mit anderen.
00:01:17: Ihre Arbeiten waren in zahlreichen bedeutenden Museen und internationalen Ausstellungen zu sehen, darunter das Museum Brandhorst in München.
00:01:24: Das Ludwig Forum Aachen, das Museum of Modern Art in New York sowie die Bienale in Venedig.
00:01:30: mit der großen Ausstellung Meta Atem im Munkmuseum in Oslo, die anschließend dem Kunstmuseum Bonn präsentiert wurde, erhielt ihr Werk ganz kürzlich erst eine große museale Würdigung.
00:01:44: In den letzten Jahren wurde Kerstin Brettsch den Günther Pyle-Preis und wurde von der Foundation for Contemporary Arts in New York mit dem Helen Frankenthaler Award für Painting ausgezeichnet.
00:01:55: In den vergangenen Jahren hatte sie den Edward Munkart-Award erhalten, und im Jahr war sie auch nominiert für den Preis der Nationalgalerie Berlin.
00:02:08: Seit dem Wintersemester, ist Kerstin Brettsch Professorin für Malerei an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg.
00:02:17: Mit ihr spreche ich heute über ihre Malerei, über Malerei generell, über die Kommunikation mit Geistern durch Malerei und über die kommende Ausstellung in der Galerie Thomas Schulte in Berlin.
00:02:29: Herzlich willkommen, Kerstine Brettschs!
00:02:31: Vielen Dank Hallo!
00:02:34: Kersti, wir sitzen hier in deinem.
00:02:39: Ich habe einmal über dich gelesen, das ist schon etwas länger her.
00:02:44: Dass
00:02:44: du nach New York gegangen bist als Malerin oder Ummalerin zu sein und Malerin zu werden, dass du aus Deutschland weggehen wolltest weil dir damals die ganzen deutschen Mahler vor allen Dingen irgendwie im Weg waren von Richter über Baselitz bis Kippenberger.
00:03:03: Unheimlich eindrucksvoll und auch so strategisch nachvollziehbar, dass man sagt wie kann ich denn in Deutschland Malerin sein wenn die da alle irgendwie die Kunstgeschichte schon so dicht besetzt ist?
00:03:16: Nur eine Generation über mir.
00:03:18: Jetzt sind wir zwanzig Jahre später eben hier in deinem Studio in Berlin.
00:03:22: welche Qualität hat das für dich jetzt hier zu sein?
00:03:25: Also einmal muss ich sagen Ich war damals Studentin und also das war glaube ich weniger strategisch als vielleicht eine Mischung aus dem Zufall und ein Glücksmoment, weil ich einen Stipendium bekommen habe.
00:03:37: Und mit diesem Stipedium bin ich ins Ausland gegangen.
00:03:41: Und quasi rückblickend habe ich vielleicht gesagt so ja da gab es bestimmte Video ebenes formuliertes Geister die einem im Weg stehen oder einen Rufen aber das war nicht die Intention diese Geister zu mich von denen zu lösen wären ich dahin gegangen bin sondern das ist erst im Laufe der Zeit passiert, dass mir bewusst wurde was es eigentlich bedeutet mich mit Malerei auseinander zu setzen und auch mit einer gewissen Distanz zum Heimatland.
00:04:10: Mit meiner eigenen Identität mich auseinandersetzen zu können.
00:04:14: Und viel wichtiger war es eigentlich das ich als ich damit studiert habe an der UDK, dass sich beim Professor studiert hab Lothar Baumgarten der eben nicht aus der Malerei kommt.
00:04:23: Das heißt also diese Auseinandersetzung quasi wie so ein Seitenblick vielleicht eröffnet hat oder ich habe mir nie neutral auf das Medium geschaut, sondern eher immer in Relation zu etwas Anderem.
00:04:41: Zu einer anderen Tätigkeit, zu anderen künstlerischen Handlungen beziehungsweise meine eigene Tätigkeiten mit etwas anderem im Beziehung gesetzt.
00:04:53: und das war vielleicht das was vor allen Dingen von Lothar mitgegeben wurde gerade eben weil er nicht maler ist, das war eigentlich in dem Sinne auch vielleicht wenn ich das manchmal damals als Defizit meiner selbst gesehen habe.
00:05:08: im Nachhinein würde ich sagen was eigentlich ein Glücksmoment auf das Medium so zu gucken ohne dass man so medium spezifisch oder ein bisschen blind auf sich selbst eine eigene Tätigkeit guckt.
00:05:18: und das wurde quasi erst dann eröffnet durch die tatsache da sich dann plötzlich in einem anderen Lehrsystem mich befunden habe.
00:05:27: In Amerika wo es kein Schülermeistersystem gibt in der Lehre und die Akademien einfach ganz anders aufgebaut sind.
00:05:35: Und natürlich New York ein anderes Pflaster ist als Berlin, ja!
00:05:40: Und jetzt zwanzig Jahre später... Ja, Big T-Tour?
00:05:46: Berlin hat sich verändert, ich habe mich verändert.
00:05:48: Ich glaube, jetzt zwante Jahre später was ich interessant finde ist dass ich nach Deutschland zurückkomme um plötzlich Lerende bin und natürlich auch immer noch irgendwie selber mich als, wie sagt man?
00:06:02: Als jemand empfinde der trotzdem noch viel zu lernen hat.
00:06:06: Aber dennoch ist meine Position jetzt jemand, die natürlich auch zwanzig Jahre Erfahrung hat und diese Erfahrung gerne teilen möchte mit einer nächsten Generation.
00:06:17: Und nicht nur mit meinen Kollegen sondern also Kollegen auch immer weiter in Sinne.
00:06:22: Also es ist eben jetzt
00:06:25: irgendwie auch Metamalereien.
00:06:28: Erzähl mal ein bisschen, wie machst du das?
00:06:30: Ich mache es nicht alleine.
00:06:32: Und zwar unterricht ich zusammen mit meinem Kollegen von Kaya Debo Eilas und das ist eine ziemlich tolle Erfahrung weil... Also nicht nur weil Debo jetzt auch mit seiner Familie der Arme nach Berlin gezogen ist aus New York sondern weil das natürlich total schön ist zusammen zu unterrichten und dann auch dass die Kollaboration von uns dadurch eine ganz andere Dimension plötzlich annimmt.
00:06:56: Es gibt dennoch die Studiopraxis, aber das plötzlich die Studipraxis sich auch erweitert hat in der Lehrtätigkeit.
00:07:04: Das ist ziemlich schön.
00:07:05: und wie unterrichtet man Malerei?
00:07:08: Es ist offiziell eine Malerei- und Zeichenstelle, also ich würde jetzt einfach sagen wir unterrichten und sprechen über Kunst.
00:07:19: Und es ist ein Dialog mit den Studierenden und da gibt es nicht nur Malerinnen sondern auch... Also werden eigentlich alle Medien betätigt.
00:07:29: Und dann gibt es viele Diskussionen, Single Crits, Einzelcrits, Workshops, Exkursionen auch Kollaboration mit anderen Akademien, Vorträge...
00:07:38: Im Gropjesbau gibt es einen großen, also eigentlich sind es ja sogar mehrere Räume den Bau-Bau Das ist ein zum Museum gehören das Aktionsfeld für Kinder von dir gestaltet und zwar wirklich komplett gestaltet, also von Decke über Wände über Möbel über Farbgebung über Buchauswahl.
00:08:00: Das ist ein Raum der für glaube ich eine ganz breite Altersspanne auch funktioniert.
00:08:06: den hast du eingerichtet und ich habe eben ja gesagt Du und auch deine Generation aber insbesondere du tatsächlich sehr viel Energie und Forschergeist.
00:08:17: Und auch irgendwie Neugier reingelegt zu gucken, was kann Malerei denn alles noch sein?
00:08:22: Oder wo kann sie noch stattfinden?
00:08:24: oder wie kann man sie vielleicht auch benutzen?
00:08:26: Wie können Sie sich in den Alltag ausbreiten und zwar nicht als Kunstobjekt sondern auch als Malerei losgelöst vom Bildträger in diesem Baubau?
00:08:38: ganz schön ... Zu sehen und zu erleben, haben wir alle gelernt dass die einzigartige Stellung von Kunst ist.
00:08:44: Dass es eben nichts Benutzbares sein soll.
00:08:47: aber du gehst da auch über diese Rente mit einer gewissen Lust hinaus.
00:08:51: was interessiert dich daran?
00:08:53: Also die schöne Herausforderungen war ja die das.
00:08:56: als ich.
00:08:57: während Covid nach Deutschland kamen ist auch die jetzige Direktorin Jenny Schlenzger nach Berlin gekommen.
00:09:03: Und ich kannte sie damit aus New York, weil sie den Performance-Bass geleitet hat und davor im PS One gearbeitet hat.
00:09:11: Jenny ist quasi mit dieser Fragestellung an mich herangetreten ob ich mir vorstellen könnte einen Kinderort zu gestalten.
00:09:17: Ich habe erst mal enthusiastically gesagt yes of course und dann also erst mit dieser Beantwortung haben wir uns quasi an dieses Feld herangetastet und lange gebrainstormt, wie das eigentlich aussehen sollte.
00:09:32: Und was dieser Ort sein kann, was ergeben kann und was es bedeuten könnte so einen Ort in einem musealen Kontext zu gestalten.
00:09:41: Da haben wir halt viel auch recherchiert mit Experten gesprochen, was wir immer noch tun.
00:09:48: Da ist im Laufe der Zeit klar geworden, dass das eigentlich ein Ort sein soll, der frei zugänglich sein muss und wo die Kinder wirklich allmöglichste Freiheit haben solange sie sich selbst nicht verletzen oder jemand anderes nicht verlezten.
00:10:02: Aber es soll darum gehen, dass diese Ort für Kinder gestaltet ist und auch größtmögliche Freiheit dem Kind geben soll.
00:10:11: Idealerweise war eigentlich die Idee, dass wir nicht mal Erwachsenen in diesem Raum erlauben wollten Aber das geht natürlich aus rechtlichen Gründen nicht.
00:10:19: Genau und so mit dieser Aufgabe habe ich mich dann halt gefragt als Künstlerin, wie kann ich diesem Raum quasi eine persönliche Note geben die aber dennoch beinhalten soll dass es nicht um meine Kunst gehen soll sondern meine Kunst soll eigentlich nur so ein Bau-Element sein oder so einen Skelett oder Gerüst ein schützender Raum für das Kind.
00:10:41: Und dann kann man natürlich immer weiter runter fächern und sagen ja jetzt gibt drei Räumlichkeiten dort eigentlich in dem Innenbau-Bau.
00:10:48: Jetzt sind wir im Moment gerade im Sommerbaubau draußen, aber In dem Innenbauer gibt es drei Räume die so drei unterschiedliche Stimmung haben.
00:10:54: das war mir ganz wichtig dass es vielleicht auch etwas bisschen Unheimliches gibt und etwas dieser größere Raum der vielleicht ein bisschen lauter und wilder sein kann Und dann gibts diesen gelben Raum also mit blau rosa gelb meine ich die manipulierten Fenster Mit Farbfolien ist.
00:11:12: der lichten Einstrahl hat manipuliert Und da ging es mir darum, dass ich einfach verschiedene Stimmung herstelle aber mit Farbe arbeite und eigentlich sowieso diese Grundelemente von Malerei benutze Raum und Licht.
00:11:26: Dann war uns ganz wichtig das wir Loose Part anbieten die eigentlich die größtmöglichste Freiheit den Kind geben um selbst gestalten zu können und erfinden zu können.
00:11:38: Das heißt gibt bedruckte Pappen auch unbedruckte Pappen, es gibt Reifen und Röhren und Seile und Tücher.
00:11:45: Und dann darf das Kind sich halt empfalten.
00:11:47: Und diese sowohl die Loos-Parts als auch die feststehenden Elemente von mir sind halt vorgegeben Und aber mit der Intention, dass es eigentlich für das Kind ist und dass eine bestimmte Atmosphäre geschaffen wird.
00:12:01: Eine bestimmte Art von Sicherheit natürlich gegeben wird nicht nur auf technischen Sinne sondern auch von... Also dass das Kind selbst sich sicher fühlt.
00:12:10: Weil es verlässt ja diesen Ort und hoffentlich möchte es wiederkommen.
00:12:13: und dann soll auch eine bestimmter Art von Umgebung gegeben sein, dass das kind weiß wohin es wiederkommt.
00:12:20: Auch wenn sich immer wieder was verändern kann.
00:12:23: Ansonsten aber und das ist gerade wirklich auch das besondere, das tolle ganz große Empfehlung Baubau mal zu besichtigen.
00:12:29: Ist ja dass die Elemente von denen du auch gesprochen hast, die haben gar keine klare Funktion.
00:12:34: also es ist jetzt
00:12:34: nicht klar da musst du dich hinsitzen und dann musst du das
00:12:38: damit bauen
00:12:39: und du hier reifen musst du durchsteigen
00:12:40: sondern das sind erstmal einfach Dinge die so mit ganz die anderen Angebot sind.
00:12:45: Und meine Erfahrungen oder auch meine Erinnerung erst ein bisschen das Kinder im Jungalter sowieso
00:12:50: diese Unterscheidung nicht so treffen.
00:12:52: Was ist jetzt eigentlich für was gut?
00:12:54: Ja, das ist halt sowieso
00:12:55: erstmal alles per sie einfach
00:12:57: nur da und irgendwie auf eine ähnliche
00:12:58: Art interessant.
00:13:00: umso schöner wenn es dann
00:13:01: irgendwie sowohl in Stuhl aber als auch in der Skulptur als auch im Tönen sein kann.
00:13:06: Genau!
00:13:06: Wir gehen dann
00:13:07: auch auf eine Art Entgegen in der Art
00:13:09: die sie sowieso
00:13:10: schon für sich jetzt
00:13:11: ein Endes... Und darum ging es mir auch, dass eben etwas nicht vorgegeben sein soll.
00:13:17: Sondern das ist ein Angebot und hoffentlich wird das immer wieder verändert und transformiert.
00:13:22: Also da hat's dann vielleicht auch was mit meiner eigenen Praxis zu tun im Sinne von... Dass es so eine organische Metabolismus ist der sich permanent irgendwie durch unterschiedliche Gegebenheiten ändert dass das Kind aber selbst, also ich gebe dann meine Verantwortung ab und geb sie dem Kind.
00:13:43: Und das Kind kann damit machen was er möchte.
00:13:47: Das Schönste wäre wenn gerade kleine Kinder sich vielleicht irgendwann mal ganz dunkel erinnern, dass die an einem Ort waren den sie nicht genau mehr hervorrufen können, was es war oder vielleicht irgendwas Bundeswildes und Verrücktes.
00:14:02: Dann kann vielleicht das Elternteil sagen wie auch immer der Babysitter oder die Freundin, ja das war doch damals da in dem Museum.
00:14:09: Da gab es mal so einen freien Kinderort!
00:14:11: Das wäre irgendwie so ganz schön weil ich mich selber an so Momente erinnere aus meiner eigenen Kindheit weiß ich nicht.
00:14:18: Planten und Blumen in Hamburg irgendwie... Die großen Begebern, Fiberglasformen und so.
00:14:26: Und das sind auch nur so ganz dunkle Erinnerungen aber die sich dann irgendwie so eingeprägt haben dass wir irgendwie so ganz schön, wenn ich das diesen kleinen Wesen mit auf den Weg geben kann.
00:14:37: Du hast glaube ich mal gesagt die Arbeiten scheinen im ständigen Fluss zu sein und einen eigenen inneren Stoffwechsel zu besitzen.
00:14:45: welche Rolle Spielen denn für dich die Körper der Betrachtenden, also die Besucherinnen, die durch deine Ausstellungen gehen?
00:14:55: Setzt du die Arbeiten beim Machen schon zum Beispiel ins Verhältnis dazu?
00:15:00: Spielt das eine Rolle für dich?
00:15:01: Das hängt total ab von einer Werkgruppe.
00:15:04: Ich glaube wenn man jetzt von einer Ausstellung selber spricht nicht nur vom einzelnen Werk dann ist natürlich der Betrechter was ganz Wesentliches Und kann ich jetzt nur als Beispiel sagen, zum Beispiel in der Ausstellung in Oslo und auch in Bonn war es so dass wir bewusst keine Wall-Labels gedruckt haben.
00:15:26: Das erst mal gar keine Zusatzinformation gab sondern es gab einen Exhibition Guide und da gab's dann kleine Texte von mir zu jeder Wehrgruppe und wenn man sich dann hinsetzte das gab ja auch selbst gestaltete Möbel die dann den Anspruch nahmen könnte man immer weiter einsteigen wenn man möchte, in das Werk.
00:15:45: Aber erst mal so auf dem ersten Betrachtungsweg gab es da nicht diese Zusatzinformationen die man normalerweise in der Institution findet.
00:15:53: und das war mir sehr wichtig weil ich eigentlich wollte dass der Betrachte auf sich selbst zurückgeworfen ist und seiner oder ihrer eigenen Wahrnehmung vertraut.
00:16:04: und das ist glaube ich gar nicht so einfach weil man das so sehr gewohnt ist eine Institution erstmal so Informationen zu bekommen und gar nicht mehr weiß, so was gucke ich an.
00:16:14: Ich muss erst mal den ganzen Kontext erfassen damit ich überweiß wie soll ich das Werk verstehen?
00:16:19: Und genau das wollte ich erstmal so wegnehmen und sagen fangen wir doch einfach mal bei dir selbst an also bei dem derjenigen die dort in den Raum kommt und dann lass sich doch erst einmal drauf ein und entweder lässt man sich darauf ein oder nicht.
00:16:33: dass es ja bleibt jedem selber überlassen.
00:16:35: aber wenn man sich drauf ein lassen würde dann würde man, glaube ich sehr schnell erstmal bei seiner eigenen Wahrnehmung landen und da schauen so was macht das mit mir?
00:16:47: Nicht nur emotional vielleicht auch psychologisch oder physiologisch.
00:16:53: Das ist auch etwas, was du mit deinem Werk wahnsinnig gut verstehst diese visuelle Attraktion auch erst mal herzustellen also dass etwas einfach Dadurch, dass es da schon so interessant ist, dass man davon angezogen ist.
00:17:08: Es hat eine gewisse Anziehungskraft ganz auf der Ebene, wie du es gerade gesagt hast.
00:17:13: Jetzt schauen wir doch erst mal.
00:17:14: Etwas was ja in der Kunst auch lange verpönt war, ist jetzt auch so ne zweckfreie ... Ich nenn's mal Schönheit?
00:17:21: Die finde ich in deinen Werken aber tatsächlich
00:17:25: auch.
00:17:26: Wobei, man kann natürlich dann auch... das auf einer ganz anderen Ebene anschauen und sagen okay man guckt jetzt nur die Technik an.
00:17:33: Und was ist da, wenn man nur in einem Bild an Applikationen und Texturen und Farbnuancen und also man kann es ja auch allein so eine ganz normalen Ebene anschaun?
00:17:44: Dann kann man gerade bei diesen ganzen Handwerkstechniken da in sowas rein technisches gehen und dann kann man's natürlich auch auf einer Meterebene angucken und vielleicht fast zum würde ich sagen fast so was animistisch ist, weil da auch immer noch ein zweiter Boden mit schwingt.
00:18:01: Also das Bild einerseits nur Form und Farbe und Licht ist und andererseits ist es vielleicht irgendwie eine Entität die einem gegenübertritt.
00:18:11: Und diese Wechselwirkung oder so eine Art von Ossilation widersprüchen, das interessiert mich grundsätzlich.
00:18:20: Das ist quasi wie einen roter Faden der sich durch Das Werk zieht, seitdem ich eigentlich vielleicht sogar, seit dem ich nach Amerika gegangen bin und auch wieder jetzt mit diesen Hackenschlagen zurückgekommen bin.
00:18:34: Nach Deutschland also so eine Art von Schaman, Showman performativ und authentisch.
00:18:41: Authentisch Fragezeichen was ist das?
00:18:43: Staging und so etwas raisen und dann wieder kollabieren lassen.
00:18:49: es gibt halt immer nur provisorische Wahrheiten und nicht nur eine einzige Stoge irgendwie Denkrichtung und ich glaube das ist vielleicht auch das was dann auch erst mal so ein bisschen verunsichert, weil man nicht genau weiß was gucke ich da an.
00:19:04: Das ist alles bunt und laut und dann vielleicht aber erstmal wenn man sich darauf einlassen würde wird es plötzlich ganz ruhig.
00:19:14: Es ist nicht nur dass was man denkt was im ersten Moment sichtbar ist oder sich zeigt sondern da zeigen sie sich auf verschiedenen Wahrnehmungsebenen immer mehr feinstoffliche Gebene, wenn man das so formulieren kann.
00:19:31: Ich will gerne noch mal auf den Pinselstrich zurückkommen der dich ja auch schon ganz lange begleitet als vielleicht erzählt selber mal was ist so interessant am Pinselstrich für dich?
00:19:41: Der hat ja in der Kunstgeschichte eine ganze... muss dir schon für alles mögliche herhalten.
00:19:46: irgendwann wird da abgeschafft.
00:19:48: dann kam er wieder.
00:19:49: und
00:19:50: naja der Pinsel Strich ist eigentlich die Signatur des Malers also die Handschrift Und ich glaube meine Faszination oder meine Infragestellung gessen kam daher, dass sich mich gefragt habe was wäre denn wenn ich quasi kann ich meine eigene Handschrift auslöschen.
00:20:06: Geht das überhaupt?
00:20:08: Kann man seine eigene Handschrift konterkarieren so und als ich... Du beziehst dich jetzt auf diesen Gradient den ganzen Strich.
00:20:16: ja weil
00:20:17: Aber du hast ja auch mal
00:20:19: zum Beispiel
00:20:19: mit Misoni zusammengearbeitet in Textil und nicht für
00:20:22: nahe.
00:20:23: Wie will ich vergessen?
00:20:25: Habe ich das?
00:20:26: Aber sagst du, da wurde dann sozusagen sagen...
00:20:28: ...in diesen gebeten Materialien ja auch
00:20:31: so was wie ein malerisches Element war.
00:20:33: ja so als ich damals in New York studiert habe und an diesen Psychic Paintings gearbeitet hab die darauf sich be... ziehen, dass ich zu verschiedenen Street Fortune Tellers gegangen bin und mir habe meine Zukunft voraussagen lassen.
00:20:49: Und gemerkt hab es geht eigentlich gar nicht darum was der einzelne Sack mir auf den Weg gibt sondern es ging eher darum immer wieder zu fragen und mehr oder weniger die gleiche Frage zu stellen und dann mit dieser Oscilation von Belief Disbelief dem zu glauben nicht zu glauben in das Studio zu gehen und dann diese Fragen im Medium der Malerei zu verhandeln.
00:21:16: Was sagt die Zukunft?
00:21:19: Im beidesten Sinne.
00:21:20: Wenn man zum Street Fortune Teller geht und er sagt, ich lese ja die erste Hand, es kostet fünf Dollar und die zweite Hand kostet einen Fünfzig-Dollar oder so... Und dann mit der ersten Hand kommt man halt nicht soweit.
00:21:29: also geht man zum nächsten wieder fängt wieder bei den fünf Dollars an.
00:21:33: was ich sagen wollte ist genau diese Fragen die quasi wie so ein.
00:22:04: Also dieser Widerspruch und dann zu sagen, okay Paint these tremendously oversized Psyche, Powerheads, Energy Forms und die sind aber vielleicht eigentlich zu groß für dieses kleine Atelier in dem sie entstanden sind.
00:22:21: Die sind aber auf Papier und nicht auf Leinwand.
00:22:24: also da vielleicht dann so ein Augenzwinkern zu den ganzen deutschen Rheinland-Malafürsten, die halt viel großformatige Leinbandbilder hergestellt hatten.
00:22:36: Bei mir war es dann halt so Papiere, die einrollbar sind.
00:22:39: Die Performance-Backdrops seien konnten ja... ...die könnte man aufrollen und dann sind sie da und im nächsten Moment einrollen, dann weglegen.
00:22:48: Also darum ging's auch um sowas Art von provisorischen Sache Und genau!
00:22:53: Und dann dieser Pinselstrich ist.
00:22:56: also diese Infragestellung des Pinsel Striches ist dadurch entstanden dass ich eh versucht habe mich auch mit so einer Art spiritistischen Auseinandersetzung innerhalb der Malerei oder besonders im europäischen Feld auseinanderzusetzen und alles zu umarmen.
00:23:13: Und einzuladen, was ich vielleicht grenzwertig gefunden habe Mir selbst unangenehm war oder bestimmte Farbgebung, Farboftrag, Reiben.
00:23:24: Ich weiß nicht... Pastellfarben, Kreiden, Seidenmalerei und alles Mögliche.
00:23:29: Hint von Rudolf Steiner und Emma Kunz und Himmelf Klimt und Wasser.
00:23:33: noch alles.
00:23:34: später kamen aber das waren erst mal nur so Bausteine die ich quasi auch mit eingeladen habe in diese ganze Feld von Malerei.
00:23:42: Und dann zusätzlich kam dazu dass ich wie gesagt in New York gelebt hab und es dort Es so Touristenmaler gab, die mit der Schwammtechnik drei oder vier Farben auf einen Schwamm genommen haben und kleine Postkarten dann in einer Schwamm-Technik den Namen von den Touristen gezeichnet gemalt haben.
00:24:03: Und es fand ich so effektiv weil ich dachte das ist ja genial!
00:24:06: In diesem einen Strich ist schon alles drin.
00:24:08: Der ganze Gradient alle Farben.
00:24:10: Ein Strich alle Farbe, alles Licht.
00:24:13: Genau.
00:24:13: Der wird aber
00:24:14: nicht nacheinander...
00:24:15: Genau.
00:24:16: Ja, ist immediate Das ist ja unglaublich.
00:24:19: Es ist wie so ein... Ich meine, es ist jetzt auch schon, wie gesagt, fünfundzwanzig Jahre her!
00:24:23: Aber wir plaudern aus dem Meteschen.
00:24:25: Das war wie so einen Photoshop-Tool und ich dachte das ist total interessant dass sich quasi meine eigene Hand benutzen könnte als sei es ein Tool von Photoshop oder als sei digital tool wo der eine Pinselstrich schon alles mit sich bringt.
00:24:40: Da hat er alles gesagt.
00:24:42: Und dadurch ist dieser gradient Pinselstrich entstanden, der sich dann ja auch wie mehr oder weniger verselbstständigt hat und dann in so Blockgradients-Serien und anderen arbeiten.
00:24:53: Und mit diesem Pinsel Strich bin ich in die Glaswerkstatt gegangen im Zürich und habe gefragt, wie kann ich meine Malerei in Glas übertragen ohne dass ich sie einfach nur auf Glas male?
00:25:04: Sondern ich würde alle Techniken gerne benutzen, Bleiverglasungen, Glasbacken, Etzen... ...und was es so gibt!
00:25:14: Und dann sind wir halt auch zu diesen Sculpted Brush Strokes gekommen, diesen Single Brush Stroke.
00:25:19: Und auch zu den interessanter Weise Reststücken von Sigmar Polke, zu diesen Achatscheiben die er hat ja den Großminister Zürich gestaltet als letztes Projekt in seinem Leben.
00:25:31: und der Glasmann Urs Riekenbach, der hatte quasi den ganzen Abfall oder die Reststücke vom Polke und hat gesagt er interessanterweise erinnert mich diese Achatsscheibe dieser Abschnitt an dein Pinselstrich.
00:25:45: hättest du Lust damit zu arbeiten.
00:25:47: Ich sage nicht nein, dass man das dann halt irgendwie so benutzen kann den Abfall von der vorherigen Generation.
00:25:55: und dann hat sich wirklich so ein Narrativ aufgesponnen wenn ich das so sagen kann weil plötzlich mit diesem Abfallstein zu arbeiten der aber gleichzeitig über Millionen von Jahren entstanden ist im Erdinneren, und dann ist es eigentlich etwas... Man geht ja mit so einer riesigen Zeitspanne um.
00:26:13: Also wenn man diesen Stein anguckt, diese Achardscheibe ... Und das hat mich so fasziniert!
00:26:17: Diese fossilierte Zeit, die da plötzlich in eine ganz contentsten Form sichtbar wird.
00:26:25: Die Frage nach dem Pinselstrich war eigentlich die Frage nach der eigenen Identität oder der eigenen Signatur.
00:26:32: Diese Achardschreiben muss man sich wirklich vorstellen, dass ist Gestein und das hat aber eine ganz tolle Visualität.
00:26:41: Irgendwie ist es streifig, aber die Streifen sind in einer Art gekrümmt
00:26:46: wie Baumkringe.
00:26:47: Und zwar ist es so.
00:26:50: also vielleicht um das nochmal ein bisschen auszufamilieren was ich da angedeutet habe mit der Steinfaszination war's halt so dass sich in den Antiklesern die hergestellt hab unter anderem mit den Reststücken von Polke von diesen Achardscheiben, die habe ich dann oft als Augen benutzt.
00:27:07: So dass quasi das Innere der Erde einen anschaut.
00:27:10: und aufgrund dessen hab' ich mich gefragt so was?
00:27:14: also?
00:27:14: irgendwie glaube ich durch Recherche über diese Steinthematik oder Fossilisation bin nicht auf Marmorierung gekommen auf diese andere handwerkliche Technik.
00:27:24: und Marmorierung ist ja auch etwas was eigentlich vorgibt so eine Art Steinmuster zu haben in so Buchenten und manchmal auch im Möbelstücken.
00:27:33: Und was ich da dann faszinierend fand ist, dass dieses Marmor-Muster aber hergestellt wird wiederum durch etwas ganz anderes und zwar durch ein Wasserbad und eine Pinzette.
00:27:42: Das heißt der Pinselstrich wird durch die Pinzettel ausgetauscht und so eine Memorierung steht durch hunderttausend Tropfen, mehrere Stunden Tropfen auf so ne Wasseroberfläche bis die Wassernoberfläche gespannt ist und dann kann man quasi das Bild wie so einen Abdruck abdrücken und rausziehen aus dem Wasserbad.
00:28:01: Aber meine eigentliche Faszination war, ich kann Stein- oder Gesteinformationen herstellen oder so eine Anmutung dessen aber eigentlich durch etwas ganz anderes, durch etwas das genaues Gegenteil ist und zwar im Wasserbad.
00:28:15: Und das erzähle ich alles weil es halt quasi Nachläufer davon in dieser Ausstellung bei Thomas Schulte geben wird.
00:28:22: Und zwar habe ich diese Stoccomamo-Arbeiten hergestellt, auch mit dieser Fragestellung was ist ein fossilisierter Pinselstrich oder kann eine Geste versteinert werden?
00:28:34: Das hat mich total fasziniert!
00:28:36: Diese Überlegungen dass eigentlich ne Malerei ja plötzlich vorgeben kann einen Leben gehabt zu haben und fossilisiert zu sein.
00:28:45: Das heißt, es gibt immer so... das ist vielleicht auch mein Interesse grundsätzlich.
00:28:48: Dass es von einem Medium ins nächste Translation gibt und da aber natürlich wieder Glitches und Misstranslations Gaps entstehen die aber dann wiederum neues Feld aufmachen.
00:29:01: Ein wichtiges Element sind die Paracyclic-Zyklus, von dem hast du vorhin auch schon gesprochen.
00:29:06: Der liegt ja auch zwischen uns als Buch das du toll gestaltet hast.
00:29:11: mit einer Vorsatz nennt man das glaube ich oder die erste Seite.
00:29:15: Die ist aus besonderem Papier Und wenn man vielleicht ein bisschen spitzige Finger hat.
00:29:20: oder man verschüttet gerade Wasser, oder man muss weinen und so dann wird das durchsichtig.
00:29:25: Und lässt einen dahinter liegendes Bild zum Vorschenken kommen, dass man anderenfalls nicht sehen würde.
00:29:30: Das heißt es gibt auch da so einen doppelten Boden oder sowas verstecktes was ich sehr schön finde.
00:29:36: und dann kommt aber diese Paracyclic Bilder.
00:29:39: wie viele sind es insgesamt?
00:29:41: Hundert genau hundert!
00:29:42: Und die sind eben auch ja eigentlich der zentrale Teil Ausstellung bei Thomas Schulte und die
00:29:50: PAP-Elemente sind die Bildträger
00:29:54: zwischen Architektur und Skulptur.
00:29:59: Die Parasykiks, das nicht sichtbare Bild ist das Unknown Masterpiece von The Upper Rhine als Paradiesgärtlein.
00:30:09: Das hat mich damals so fasziniert, als ich an diesem Garten gearbeitet habe in Frankreich während Covid entstanden, als ich damals noch in New York geliebt habe.
00:30:21: Und es war quasi... Ich hab schon oft gesagt, so ja, mich interessiert eigentlich Malerei im Zug auf den Körper ob das physisch, psychisch oder sozial ist.
00:30:31: und hier bei dem Parasitegist würde ich sagen, dass es eine Art Reise in den Mental Body also in meinen eigenen Innenraum.
00:30:38: und als äußere Schale oder als System hatte ich mir eigentlich überlegt, so eine Art von Personalized Tarot herzustellen.
00:30:48: Und dann habe ich aber schnell gemerkt, dass mir das zu eingeengt ist und dass Tarot eigentlich im klassischen Sinne eher so diese typisch Hollywood-Heldenreise.
00:30:58: Das wollte ich irgendwie widersprechen und dann war mir klar okay, ich möchte zwar eine große Arcana oder eine kleine Arcana, es sind halt Zweiundzwanzig Karten für eine große Arkana und sechsundfünfzig Karten.
00:31:10: Und dann habe ich gesagt, mache ich für mich selber noch mal zu ein, zwanzig.
00:31:15: Deswegen sind das seventy-plus zweiundtwentzig gleich hundert.
00:31:18: Deswegen gibt es diese Hundertzeichnung die sich beziehen auf diverseste Referenzsysteme, ob das Dinge sind, die ich da gerade recherchiert hab oder die ich gelesen habe über Bücher, über Mycelium, Pflanzenmedizin, Mystik, Mythologie.
00:31:37: Und das sieht man nicht nur in der Motivauswahl, sondern auch in den Titeln.
00:31:42: Die Titel in diesem Buch sind eine eigenständige Arbeit.
00:31:46: Die sind jetzt nicht zu sehen bei Schulte aber es ist eigentlich so eine Art Abstract Poem.
00:31:51: Also alle hundert Titel zusammen ergeben einen Poem, was auch vertont wurde von Libri Tiax, einer Soundkünstlerin.
00:32:00: und für mich war das wichtig dass dieses Buch halt auch... Man kann's quasi wie ein persönliches Tarot Lesen, man kann eine Seite aufschlagen und dann darüber schauen.
00:32:10: Und dann kann man auch nur die Titel sich anschauen und dort verweilen in diesem Buch auch ein Interview und bestimmte Referenzmotive also wie das zum Beispiel entstanden sind.
00:32:22: der Ursprung der Zeichnung war eigentlich dass ich damals am Anfang von Covid bei Invisible College von Ariana Raines mitgemacht habe es zwar so einen Open Poetry Reading weltweit via Zoom, wo wirklich mehrere hundert Personen mitgemacht haben.
00:32:39: Es war eigentlich magisch und wir dann gemeinsam Inana gelesen haben den Originaltext der Mesopotamien-Göttin und dieses Dipping in and out of drawing & reading & listening und dann so einen eigenen Dankenkosmos abzudriften.
00:32:56: beim Zeichnen und beim Lesen – das ist was wirklich ein Entanglement!
00:33:02: sind halt diese Zeichnungen entstanden.
00:33:04: Und die wiederum... Also, sie sind mir irgendwie so ganz nah, weil das war das Erste was ich gemacht habe nach diesen ganzen handwerklichen Techniken und viel kollaborativen Arbeiten mit Das Institut und Kaja also mit Adil Röder und der Boaylas.
00:33:21: und dann plötzlich ist Covid in des Lockdowns und man geht nicht mehr ins Studio.
00:33:26: Ich war eingeängst, hatte auch noch Grippe am Anfang von Covid sehr extreme Grippe und war dann quasi so eingeengt in meiner kleinen Mietwohnung, Mietzimmer.
00:33:38: Und ja bin dann quasi internally expanded durch diesen Zeichenprozess und damit auch Kigong gemacht wie der Zoom.
00:33:51: Es gab dann ja wieso jeder seine Überlebensmechanismen hat am Anfang von Covid Aber das war so der Ursprung und am Ende von Jahrzehnten nach Deutschland gezogen, auch aufgrund dessen, weil mein Visum abgelaufen war.
00:34:07: Man konnte gar nicht in die Embassies kommen und sein Passport stempeln zu lassen.
00:34:12: Es war erst mal eine Notlösung und die Zeichnungen sind mitgekommen.
00:34:18: Je nachdem an welchem Ort ich mich befand, haben sich auch die Zeichen verändert.
00:34:22: Plötzlich wurden von Pflanzen gab es dann menschliche Formen, die aufgetreten sind.
00:34:27: Tiere figürlicher, dann wird es wieder abstrakter.
00:34:29: Also man kann auch anhand von ... Weil die sind über eine Zeitspanne von zwei, drei Jahren entstanden und kann man auch sehen okay wie sich das Vokabular in dem Zeichnerischen verändert hat.
00:34:40: Bei dir ist ja wirklich so dass quasi alles in alle möglichen Zustände sich immer wieder weiter verwandeln kann Und das habe ich jetzt wo wir hier sitzen zum ersten mal so richtig verstanden, dass das wirklich von Anfang bis Jetzt noch bis in die Zukunft hinaus so bleiben wird.
00:34:57: Wieso
00:34:58: ein Strom
00:34:59: aus Dingen, die sich beständig irgendwie gegenseitig befragen und weiterentwickeln?
00:35:05: Ja!
00:35:05: So können wir in Berlin zum ersten Mal in der Galerie Thomas Schulte die Arbeit von Kerstin Brettsch sehen.
00:35:11: Vielen Dank für diesen tollen und auch tiefen Einblick in deinen Werk und für die Einladung hier in dein Studio.
00:35:19: hinter uns liegen Ein paar Werke von dir auf dem Boden und freuen wir uns auf die Ausstellung bei Thomas Schulte.
00:35:28: Die heißt
00:35:29: Parasychic Expanded in Klammern excerpt!
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